"Du musst es nur genug wollen." - ist der falsche Ansatz

Hast du schon mal versucht, eine schlechte Gewohnheit abzulegen?

Nicht mehr so viele Süßigkeiten essen? Weniger Alkohol trinken? Deinen Social Media Konsum einschränken?

Wenn du bist wie die meisten Menschen, dann versuchst du das ganze mit purer Willenskraft.

Du willst etwas haben, also tust du etwas, um jemand zu sein. - Sorry, aber das ist meiner Meinung nach kein Modell, was nachhaltig funktioniert.

"Habits are the compound interest of self-improvement." schreibt James Clear in seinem Buch Atomic Habits (was übrigens eine klare Literaturempfehlung zu dem Thema ist).

Den Großteil deines Lebens läufst du auf Autopilot - du führst unbewusst Gewohnheiten aus. Oder denkst du bewusst darüber nach, was du als erstes tust, wenn du morgens aufstehst? Wie du zur Arbeit fährst? Wann du im Auto auf die Bremse trittst?

Jetzt nehmen wir mal an, du verbesserst eine Fähigkeit (eine gute Gewohnheit) jeden Tag um 1%. Das klingt nicht viel, oder? In einem Jahr wärst du dann in dieser einen Sache 37,78x so gut, wie du es heute bist.

Und jetzt nehmen wir mal an, du wirst in einer Sache jeden Tag um 1% schlechter (z.B. durch das wiederholte Ausführen einer schlechten Gewohnheit). Dann wärst du in einem Jahr nur noch 0,03x so gut wie heute. Das wäre ziemlich kacke, oder?

Die gute Nachricht ist: Du kannst dich mit jeder Entscheidung, die du am Tag triffst in die "richtige" Richtung bewegen. Und wenn du täglich mehr gute als schlechte Entscheidungen triffst, kannst du im Leben nur gewinnen. Aber wie geht das, wenn nicht mit Willenskraft?

Das Problem mit der Willenskraft ist es, dass sie eine begrenzte Ressource ist. Wenn du eine Gewohnheit in deinem Leben verändern möchtest, indem du immer noch härter pushst, wirst du irgendwann gegen eine Wand fahren - und auf direktem Wege wieder in deine alten Muster verfallen.

Und mit jedem Mal, wo dir das passiert - wird es schwerer die alte Gewohnheit zu brechen und dein Hirn flüstert dir leise ins Ohr "Siehste, haben wir doch schon immer so gemacht...".

Der Schlüssel liegt darin, nicht bei deinem Ziel oder der Gewohnheit an sich anzugreifen - sondern viele Ebenen darüber. Nämlich bei dir. Bei deiner Identität. Bei dem, der du bist.

Glaubst du ein Athlet muss sich täglich motivieren zum Sport zu gehen? Glaubst du ein gesundheitsbewusster Mensch muss sich täglich dazu zwingen, gesund zu essen? Glaubst du ein Musiker sitzt 3 Stunden nur vor der Gitarre, bis er sich dazu durchringt zu spielen?

Nein. Es ist in ihrer Persönlichkeit verankert, das zu tun, was sie tun. Und genau so ist es in ihnen verankert, Dinge nicht zu tun, die nicht ihrer Persönlichkeit entsprechen.

Einem Nicht-Raucher fällt es also nicht schwer, nicht zu rauchen. Es ist ein Teil von ihm.

Die wirklich nachhaltige Methode, schlechte Gewohnheiten abzulegen und sie durch gute zu ersetzen ist also jemand zu werden, der bestimmte Dinge tut und somit dann automatisch zu seinen Zielen kommt.

Das Ziel ist also nicht, mehr zu Lesen - das Ziel ist ein Leser zu werden.

Das Ziel ist nicht, regelmäßig zum Sport zu gehen - das Ziel ist ein Athlet zu werden.

Das Ziel ist nicht, ein Instrument zu lernen - das Ziel ist, Musiker zu werden.